Donnerstag, 1. Januar 2015

Ich bin dann mal weg - Camino de Santiago 2014



"Der Weg ist das Ziel"




Der erste Schritt zum Erfolg ist es zunächst einen perfekt schweren und geordneten Rucksack zu haben. Wieso?
Das werdet ihr im Laufe des Berichts lesen.

Der Plan, den Jakobsweg zu laufen, war eine spontane Idee. Wir wollten Action 
und etwas außergewöhnliches erleben, also fiel die Wahl auf den Jakobsweg.

"Warum nicht? Schlimmer als die Tour auf die Trolltunga letztes 
Jahr kann es ja gar nicht werden." Falsch gedacht... später mehr dazu.

Wir haben uns zunächst überlegt, von wo wir starten wollen und wie lange wir unterwegs sein wollen. Aus dem Grund haben wir uns entschlossen aus Burgos zu starten und durchzulaufen bis nach Santiago de Compostela – also knapp 500km. 



Unsere gesamte Strecke, die wir innerhalb von vier Wochen laufen wollen




Der nächste Schritt war: Wie kommen wir am Besten nach Burgos? Sprich einen perfekten Flug zu finden. Nach langem Suchen nach Flügen und Zug/Busverbindungen, haben wir uns entschlossen von Frankfurt nach Madrid zu fliegen und von dort aus mit dem Bus nach Burgos. Perfekt, als Belohnung am Ende noch einen Städte Trip durch Madrid. ;) Kurz vor dem Abflug heißt es: Rucksack zu packen. Nach Durchstöbern von Packlisten in verschieden Foren, dachten wir, dass wir den Rucksack perfekt gepackt haben. 



Was braucht man für fast vier Wochen auf dem spanischen Jakobsweg?


Nach einiger Recherche kamen wir dann schließlich auf folgende Packliste:



Anmerkung: Die Packliste ist für 2 Personen (Paar) gedacht!




Nachdem wir dann endlich alles im Rucksack hatten und uns zusammen mit ihm
auf die Waage gestellt hatten, waren wir doch sehr schockiert!
12kg!! WAS?
Und das soll ich 4 Wochen mit mir rumschleppen?
Nochmal im Internet und überall nachgeschaut, wie viel man denn maximal
mitnehmen sollte.
Hmm... okay,... maximal sollte man im Rucksack ca. 10kg haben.
Wie bekommen wir jetzt unseren Rucksack um 2kg reduziert?

Nochmal alles ausgepackt (zum Glück hatten wir probe gepackt) und alles aussortiert,
auf das wir dachten verzichten zu können.





Am Schluss wurde der Rucksack um folgendes erleichtert:

1x Trekkingsocken
1x Trekkinghose
1x Rai in der Tube
1x Wäscheleine
1x Kochset
1x Esbitkocher + Tabletten
1x Feuerzeug

Dadurch konnte der Rucksack wenigstens auf knappe 11kg reduziert werden,
womit wir doch schon zufrieden waren.

Rucksack gepackt, Camino kann kommen! =)







Tag 1 & 2


 10 000 Meter über dem Boden oder 

Schlaflos durch Spanien




Anfang August ging es dann endlich los!
Von Frankfurt ging es wie gesagt abends nach Madrid. 
Eigentlich wollten wir dann direkt weiter mit dem Bus nach Burgos, 
den wir jedoch  nicht mehr erwischt haben. Also was tun? 
Wir haben uns entschlossen an der Flughafen Information nach Hostels und Hotels
in der Umgebung zu informieren. 
Durch Zufall war eine Dame an der Info, die Touristen abholt und in das nahelegende Hotel mit dem Bus transportiert. Sie hat uns direkt eingepackt und wir hatten ein bequemes Bett für die erste Nacht. 
Am nächsten Morgen ging es früh wieder los (nach vielleicht drei Stunden Schlaf), da wir um 7 Uhr mit dem Bus nach Burgos fahren wollten und noch ein Ticket brauchten. Das Problem war, der Stand von ALSA hatte um diese Zeit noch nicht geöffnet und sie haben uns auf einen Ticketautomaten verwiesen, der jedoch nicht im Flughafen existierte. 
Dann ging das hin und her los. Wir haben an der Information nach einer anderen Möglichkeit gefragt einen Bus zu bekommen bzw. ein Ticket. 
Sie haben uns zu der Station: Méndez Álvaro geschickt. 
Dort fuhr jedoch an dem Tag kein Bus und wir wurden zur nächsten Station geschickt: Avda. De Américano. Die gute Frau vom Schalter hat uns zum Glück gleich ein Ticket  nach Burgos gegeben. So mussten wir nur noch die Station finden. 
Nach langem hin und her in der Metro haben wir endlich die Station erreicht und saßen im Bus nach Burgos.



Ohne Schlaf (sieht man kaum) auf den Bus warten ist echt schwer





Gegen Mittag kamen wir dann endlich in Burgos an. 
Und schon stellte sich die nächste Frage: Wie kommen wir zur Herberge? 
Ein ganz lieber Pilger, der mit uns im Bus saß, hatte gesehen, dass wir etwas orientierungslos waren und hat uns netterweise mitgenommen.  
Folge der Muschel bzw. dem Gelben Pfeil! 
Endlich in der Herberge angekommen, haben wir schon die ersten Deutschen kennengelernt mit denen wir auch den restlichen Tag, mit der Besichtigung von Burgos 
und einem spontanen Abendessen kochen.



Altes Stadttor von Burgos (Eingang zur Altstadt)


Kathedrale von Burgos




Unser erster Schlafsaal auf dem Camino (Bett Nr. 638 & 639)




Tag 3


Burgos - Hornillos del Camino




Um 8 Uhr (sehr spät im weiteren Verlauf sogar 4 Stunden früher) haben wir die erste Tour gestartet - nach Hornillos del Camino.


Der Anfang der Strecke verlief ganz gut eigentlich, bis ich merkte: Oh nein, meine Füße.“ 
Meine Füße bekamen die ersten Ansätze einer Blase oder auch zwei. 

Beste Lösung in dem Fall war: 
Kurz hinsetzen und vorbeugen – Blasenpflaster drauf machen. Wie konnte das nur passieren? Die Schuhe waren top eingelaufen, die Socken hatte ich schon öfters an, also wieso Blasen?

Einige Kilometer weiter, entschloss ich mich dafür die Schuhe zu wechseln von Trekking Schuhen zu Nike Schuhen – sehr gute Entscheidung, es war erstaunlich angenehmer. Und wir liefen weiter. 
Wir hatten gemerkt, dass wir doch falsch gepackt hatten und viel zu viel dabei hatten. 

Neben den Blasen, kamen noch etwas Rückenschmerzen dazu, die Mittagshitze ohne Schatten und das auf und ab auf der Strecke. Der Jakobsweg ist nicht so flach wie die meisten es sich vorstellen, es gibt schon einige heftige Steigungen und auch kleinere. (Hätte das uns jemand nur gesagt...) 

Die Strecke war nicht gerade die schönste bzw. die Strecke ging die meiste Zeit durch Felder. Nach knappen 5 oder 6 Stunden hatten wir unser Ziel endlich erreicht, Schuhe aus, ab aufs Zimmer und duschen. Die Herbergsmutter war sehr süß. 
Als wir ankamen, bekamen wir erst mal ein Glas Milch und sie hat uns alles gezeigt. 
Schuhe aus, das böse erwachen – an jedem Fuß haben sich riesen Blasen gebildet. 
Wir haben die Blasen zunächst versorgt und dann kam uns die ultimative Idee: 
Wir misten unseren Rucksack aus! 
In solchen Momenten kann man sich sehr einfach von seinen Sachen trennen. 
Hier stellte sich die Frage:
"Brauchen wir das wirklich?"

Wir haben es auf das nötigste reduziert. 
An dem Tag haben wir uns das Dorf angeschaut, was gegessen und hinter der Herberge uns in der Sonne entspannt und uns auf die nächste Tour am nächsten Tag vorbereitet. 





Tag 4


Hornillos de Camino - Castrojeriz




Wecker läutern um halb 3. Wir haben uns leise fertig gemacht und um 4 sind wir nach Castrojeriz gestartet mit einer Stirnlampe auf dem Kopf. Es ging zunächst etwas Bergauf. 

Um ca. 6 Uhr ging die Sonne auf, was ein super schöner Anblick war von oben. 


Wunderschöner Sonnenaufgang auf dem Hochplateau



An dem Tag hatte ich es nochmal versucht mit den Trekking Schuhen, habe jedoch mittendrin wieder Schuhe gewechselt. Die Blasen wurden gefühlt schlimmer, aber das Motto hieß: Zähne zusammenbeißen und weiter. 


Weg hinunter nach Hontanas, wo wir unsere Pause machten. 

Alte Klosterruine San Anton




Endlich in der Herberge angekommen, musste ich wie am Tag davor zunächst aus den Schuhen raus und unter die Dusche. Leider gingen die Blasenpflaster ab und haben die Haut mitgerissen, d.h. offene Wunden und die Begeisterung war da.

Der Herbergsvater hat es sich sofort angeschaut, sowie unsere Schuhe. Er hat uns versucht mit seinem sehr geringen Englisch Wissen und Flos gebrochenen Spanisch zu erklären, dass Trekking Schuhe sich nicht eignen für den Weg...

Aber wir sollen uns Silikon-Einlegesohlen kaufen, die helfen den meisten Pilgern, welche die selben Probleme haben. Er beschrieb uns den Weg zu einem kleinen Laden, in dem es diese gibt.
Da ich nicht mehr laufen wollte/konnte, ging Flo alleine durch die Stadt und suchte diesen kleinen Laden.

Nachdem er in einem kleinen Laden war und sich dort mit einer Irin unterhalten hatte und ihr erklärte, was er sucht, zeigte sie ihm den richtigen Laden, da sie vorher auch schon dort war!

Dort angekommen war die Verständigung mit dem Verkäufer, der mindestens 70 Jahre alt war, wirklich schwer, da er natürlich nur spanisch sprechen konnte. Nach 5 Minuten Erklären auf "Spanisch" hat der Kauf doch geklappt und Flo lief zur Apotheke, um uns jeweils eine Kniebandage und eine Packung Ibuprophen zu kaufen, damit sich die Blasen nicht entzünden.

Da die Apotheke auch nicht zu finden war, fragte er in einer Pilgerherberge nach, wo ihm der Weg gezeigt wurde. Zusammen mit einem anderen Pilger (Australier) folgte er dann der Beschreibung und sie fanden sie tatsächlich! ;-)

Und wieder kam die Sprachbarriere Spanisch. Mit Händen und Füßen wurde wieder erklärt,was benötigt wird und anschließend gekauft. Was für ein Erlebnis in dieser kleinen Stadt! =D

Wieder in der Herberge angekommen versorgte er meine Füße, präparierte die Schuhe und kaufte uns noch je ein Bocadillo, damit wir etwas essen können.

Anschließend ging es erschöpft ins Bett...





Tag 5


Castrojeriz - Fromista - Leon




Nach einer der schlimmsten Nächte unseres Lebens klingelte morgens wieder der Wecker...
Warum furchtbar? Um ca. 0:30Uhr klingelte es Sturm an der Haustür der Herberge...
Nicht nur einmal oder zweimal, sondern immer und immer wieder...
Dann klopfte es auch noch am Fenster des Schlafsaals, als sich keiner zur Tür aufmachte.
Irgendwann war es Flo zu doof und er ging zur Tür, um zu schauen, wer denn da klingelt.
Es war der junge Inder, der bei uns im Schlafsaal liegt. Er hatte vergessen, dass die Herberge um 23Uhr schließt. Doch leider ging die Tür nicht auf, da sie abgeschlossen war und es war nirgends jemand von den Betreibern zu finden. Also was tun?
Man kann den armen Jungen doch nicht draußen schlafen lassen.

Flo weckte also den jungen Brieten, der vor dem Fenster in unserem Schlafsaal schlief, um mit ihm zusammen den Fensterladen und das Fenster zu öffnen, um den "Ausgesperrten" durchs Fenster hinein zu lassen...

Natürlich war bis dahin jeder im Schlafsaal wach und der Inder musste sich gebrummten Beschimpfungen in allen Sprachen anhören.

Als  wir alles wieder zu hatten und alle im Bett wieder waren begann er dann auch noch zu schnarchen....

Ich glaube also, dass es wirklich die schrecklichste Nacht unseres Lebens war!

Da ich für den heutigen und den nächsten Tag Laufverbot auf Grund meiner Blasen an den Füßen hatte, hatten wir am Tag zuvor noch beschlossen per Bus / Taxi bis Frommista zu fahren, dort zu übernachten und dann weiter zu schauen. Da Flo Mario (den Saarländer, den wir in Burgos kennenlernten) getroffen hatte und er auch nicht laufen konnte, suchten wir zusammen nach einer Busverbindung.

Als wir dann endlich die Bushaltestelle fanden, mussten wir feststellen, dass erst um 17 Uhr ein Bus nach Fromista fährt... also was machen?

Dann bleibt uns doch nur ein Taxi.... Zum Glück hatte uns Marios Herbergsmutter angeboten ein Taxi zu rufen, wenn kein Bus fährt. Also wieder den Berg hoch in die Stadt und in die Herberge. Dort warteten wir dann auf unser Taxi. Zufällig trafen wir noch einen Niederländer, der ebenfalls Probleme hatte. Dieser schloss sich dann spontan an mit uns nach Fromista zu fahren, sodass wir pro Person nur 7€ zahlen mussten.

In Fromista angekommen stellten wir fest, dass wir ca. 3 Stunden zu früh da sind und die Herbergen alle noch zu haben. Also erstmal frühstücken in einer Bar! ;-)

Anschließend ging es zur Touristeninformation, wo wir für die morgige Fahrt nach Leon weiterfragten.

"Morgen fährt nichts, aber heute in 1 Stunde fährt ein Bus von Carrión de los Condes nach Leon" war die Aussage des sehr netten Mitarbeiters.

Kurz entschlossen rief er uns (wiedermal) ein Taxi und wir fuhren zu dritt weiter nach Carrión. Die Fahrerin wusste anscheinend, dass wir es eilig hatten, da sie wie eine Verrückte fuhr! =D
Und tatsächlich!
15 Minuten vor Busabfahrt waren wir an der Haltestelle, wo wir mit wahnsinnig vielen Pilgern auf den Bus warteten.

Als der Bus einfuhr wurde gleich gesagt, dass der Bus komplett ausgebucht ist und nur Leute mit gültigem Fahrschein in den Bus steigen dürfen....
Na super.... wie viel Pech kann man eigentlich haben!?

Wiedereinmal gingen wir zur Touristeninformation, wo wir nach dem Preis für ein Taxi nach Leon, da es in Carrión de los Condes keine Herberge gibt. 100€ soll die Fahrt kosten. (100km)

Was sollen wir denn sonst machen? Hier bleiben können wir nicht und laufen geht auch nicht.

Also gingen wir (zusammen mit einer Koreanerin, die auch kein Busticket hatte) zum Taifahrer gegenüber, wo Flo nochmals nach dem Preis für die Fahrt nach Leon fragte.
Dieser sagte uns plötzlich 90€. =D

Wie lustig  ist das denn?
Wir hatten also drei verschiedene Preise, da die Koreanerin auch schon gefragt hatte.

Koreanerin: 120€
Wir an Touriinfo: 100€
Taxifahrer: 90€

Also stiegen wir (diesmal) zu viert in das Taxi und fuhren 100km im Taxi nach Leon.
Als wir die Straße entlang gefahren sind, an welcher der Camino entlang verläuft wurde uns auch bewusst, warum so viele Pilger den Bus an dieser Stelle bevorzugte. Es muss einfach ein Horror sein dort zu laufen, da es weit und breit nichts als pralle Sonne gibt...

In Leon angekommen ließ uns der Fahrer direkt im Zentrum raus und wir warfen uns zu viert in den Großstadtdschungel.


Altstadt von Leon


Wohin ging heute wieder unser erster Weg? Richtig! Zur Touristeninformation!
Dort holten wir uns unseren Stempel für die Credentiale und bekamen eine Stadtkarte, wo sie uns den Weg zu den Herbergen einzeichneten. Da wir nicht so weit laufen wollten, klapperten wir zuerst die beiden Herbergen ab, die am Nähsten waren. Doch leider vergebens. Also doch zurück und 1km laufen, um in die Städtische Herberge zu gehen.
Dort angekommen, bekamen wir zum Glück ein Viererzimmer mit eigenem Bad (!!)

Kurz eingerichtet, geduscht und eine Waschmaschine zu viert angeschmissen (billiger) gingen wir in die Stadt um etwas zu essen.


Dank dieser Muschel konnte man ganz einfach
dem Camino folgen

Als wir im Restaurant saßen, mussten wir unserer Koreanerin mit ihrem gebrochenen Englisch erklären, was denn zur Auswahl steht. Das Essen war ganz gut (Pilgermenü für 10€) und besonders lustig, da uns die Wirtin Rotweinschorle einschenkte und die Koreanerin ihn sehr schnell merkte! =D
Auf die Frage, ob sie es nicht kennt meinte sie, dass Wein sehr teuer bei ihnen in NORD-Korea sei und sie ihn deshalb genieße.

Anschließend gönnten wir uns noch für 4€ eine Stadtrundfahrt mit einem Bähnchen, was sich als die beste Idee herausstellte! Es war super damit zu fahren und vor allem trocken, da es zu regnen begann! =)
Ich glaube wir hätten niemals so viel gesehen von Leon, wenn wir alles zu Fuß abgelaufen wären.


Wir zwei bei der Bahnfahrt durch Leon

Zufrieden und glücklich gingen wir in unsere Herberge, holten die trockene Wäsche,
packten alles für den nächsten Tag und schliefen tief und fest.


Kathedrale von Leon


Tag 6


Leon -  Astorga - Ponferrada 





Am Vortag haben wir uns Tickets für unsere Busfahrt nach Astorga gekauft, da wir Lans Füßen nochmal ein bisschen Schonzeit geben wollten. Also hatten wir beschlossen ab Astorga weiter zu laufen, da wir noch auf den Cruz de Ferro hoch wollten, um den Ausblick über das Land zu haben.

In Astorga angekommen haben wir zunächst die Kathedrale besichtigt und versucht die Herberge zu finden. Während der Besichtigung haben wir uns dann überlegt ein Stück weiter zu fahren um näher  am Cruz zu sein und von dort aus weiter zu laufen, da diese Etappe dann nicht gleich so hart für Lans Füße wären. An diesem Tage fuhr jedoch nichts mehr und einige Leute an der Busstation haben zu uns gemeint, dass wir nicht hochlaufen sollte, da es einen Wetterumschwung geben soll und es zu Gewittern kommen kann.



Kathedrale von Astorga

Eingangsportal der Kathedrale

Also entschlossen wir uns kurzerhand dafür, ein Busticket zu kaufen und um den Berg bis nach Ponferrada zu fahren.

Wie sich einige Tage später herausstellen sollte, war dies die beste Entscheidung, die wir treffen konnten, da es auf dem Berg zu einem 3 Tage anhaltenden Gewitter kam und die Bergwacht viele Pilger mit dem Helikopter abholen mussten. Glück im Unglück also gehabt!

In Ponferrada angekommen hieß es wieder: Herberge suchen.
Diese Suche führte uns in einige Restaurants und Kneipen, in denen wir nach dem Weg fragen mussten (der Busbahnhof liegt ganz schön außerhalb) und durch die ganze Stadt.
Also gleichmal eine Stadtbesichtigung gemacht! ;-)

Als wir dann endlich in der Herberge ankamen, staunten wir nicht schlecht über diese tolle Klosteranlage, in der wir übernachten wollten. An der Anmeldung angekommen wurden wir gleich herzlich empfangen von den Mönchen und bekamen wir zuerst ein Glas zu trinken (irgendwelches Wasser mit einem Brausezeug, dass den Elektrolythaushalt wieder aufbessern sollte).
Leider mussten uns die netten Mönche mitteilen, dass alle Betten belegt sind.
Na super,....

Doch sie könnten uns auf jedenfall ein Dach über dem Kopf bieten, wenn wir in der Bibliothek schlafen wollten, wäre das kein Problem. Eine dicke Sportmatte würden wir von ihnen gestellt bekommen, damit wir wenigstens ein bisschen Komfort haben.


Eingang der Herberge

Der wunderschöne Klostergarten

Also stimmten wir zu, bekamen eine Matte und gaben eine kleine Spende für die Übernachtung (Es war unsere erste Herberge auf Spendenbasis). In der Bibliothek angekommen waren wir wirklich geschockt. Es lagen einfach überall diese Matten auf dem Boden. Bestimmt 50 Stück.

Unser Massenlager in der Bibliothek

Also suchten wir uns Matten ganz an der Wand, breiteten unsere Sachen aus und gingen duschen. Da wir vorher schon einen Arzt draußen vor der Tür entdeckt hatten, beschlossen wir, er solle Lans Füße mal begutachten. Nach einer 20-minütigen Wartezeit kam sie dann endlich dran.

Doch leider stellte sich heraus, dass der Arzt eine echte Pfeife war. =D
Natürlich schaute er sich die Blasen an und sagte ihr, was zu tun ist (das, was wir schon die ganze Zeit gemacht hatten) und dass sie sehr gut verheilen. Doch das war noch nicht alles...

Er machte noch eine Art Psychoanalyse mit ihr, woher denn diese Schmerzen kommen und sie offener auf Menschen zugehen muss, erst dann hören die Schmerzen auf...

Auf diesen esoterischen Ausflug mussten wir erstmal raus aus dem Kloster. Also liefen wir zur Templerburg von Ponferrada und suchten uns ein kleines Restaurant, indem wir essen konnten, da die Küche der Herberge komplett überlaufen war.

Wir bestellten uns Pulpo con Patatas (Krake mit Kartoffeln) und einen großen gemischten Salat, den wir mit der fantastischen Aussicht auf die Burg genossen.


Pulpo con Patata und einen großen gemischten Salat

Aussicht auf die Burg während des Essens
Templerburg im Herzen von Ponferrada
Danach besichtigten wir noch die restliche Altstadt, die wunderschön ist und gingen zurück in die Herberge. Im Klostergarten angekommen setzten wir uns hin und unterhielten uns mit anderen Pilgern.

Müde fielen wir dann ins "Bett". Mal schauen, wie die Nacht wird und was der Morgen bringt.



Tag 7


Ponferrada - La Faba




Mit etwas steifem Rücken und wenig Schlaf standen wir schon um halb fünf am frühen Morgen auf. Wenn wir nicht schon am Tag davor geplant hätten so früh aufzustehen, dann spätestens heute morgen, denn gefühlt stand die ganze Herberge mit uns zusammen auf
um weiter zu pilgern.

Mit unserer Stirnlampe bewaffnet packten wir alles zusammen, putzen  die Zähne und zogen Rucksäcke und Schuhe außerhalb des "Schlafsaals" an, um die restlichen Schlafenden nicht zu wecken. (wir wissen mittlerweile, wie es ist von Plastiktüten oder Gemurmel geweckt zu werden)

Mit unseren dicken Pullover und unserer Allzweckjacke wagten wir uns dann hinaus in den kalten Morgen. Und los ging unsere erste Pilgertour seit Tagen. =)



Also folgten wir den Muschel des heiligen Jakobus (und den Massen an Pilgern) in die Stadt, vorbei an der - schön beleuchteten - Templerburg durch die Altstadt hinaus aus Ponferrada.



Auf der Hauptstraße (die immer geradeaus geht) ging es dann in Richtung Wald. Doch bevor wir dort ankamen, hatten wir ein komisches Gefühl, als ob wir verfolgt würden.



Wir blickten uns um und sahen einen großen Mann, der uns zu dieser Uhrzeit sehr furchteinflösend erschien. Also wechselte wir einfach mal die Straßenseite um zu schauen, ob er uns folgt...



Verdammt, er wechselt auch die Straßenseite!! Was machen wir jetzt?



Plötzlich war der Mann nicht mehr hinter uns, sondern schräg vor uns auf einem Weg neben der Straße und rief uns auf gebrochenem Englisch zu, dass der Weg hier entlang ginge und in den Wald führte.



Was!?
Sollen wir ihm wirklich folgen? Oder was hat der mit uns vor? Naja,.... no risk, no fun!
Also folgten wir ihm in den Wald, wo wir dann auch so langsam viele Pilger vor uns sahen.
(Glück gehabt)



Also liefen wir unseren Weg zusammen mit Mario, unserem anderen deutschen Begleiter weiter durch Feldwege bis zu einem Hotel. Dort sprachen uns zwei Italiener an, ob wir denn
Lust haben mit ihnen zusammen zu frühstücken.



Es ist echt super, wie offen man bei solch einer Pilgerreise ist. Wir überlegten tatsächlich, ob wir mit diesen Fremden etwas frühstücken. Leider entschieden wir uns dagegen, da wir alle noch keinen Hunger hatten. 


Morgenstund hat Gold im Mund


Nach etwa 30 Minuten laufen kamen wir an einer kleinen Kirche vorbei... und dann geschah es! Der Tragegurt von Marios Rucksack riss. Verdammt, was machen wir jetzt?
Also setzten wir uns vor die Kirche auf die Bank und versuchten das Band zu reparieren.

Plötzlich hörten wir drei Stimmen, die in unsere Richtung kamen. Es waren die zwei Italiener und dieser gruselige Typ von morgens. Wir winkten sie zu uns. Vielleicht hatten sie ja eine Idee, wie man das reparieren kann.



Kurz  vorgestellt "reparierten" wir den Rucksack unter viel Gelächter. Naja... wir machten kurzen Prozess und schnitten die gerissene Schnalle einfach ab und banden die Gurte zusammen.



Danach liefen wir zu sechst weiter, quatschten und lachten den ganzen Weg. Es stellte sich heraus, dass Daniele und Patricia (die beiden Italiener) aus Rom sind und Daniele für sein Studium zufällig in Karlsruhe ein Auslandssemester gemacht hatte und deshalb Deutsch konnte! Was für ein Zufall!

Alberto (der gruselige Typ) war ganz anders, als wir ihn eingeschätzt hatten. Er war ein lustiger Madrillene, der einfach jeden Quatsch mitmacht!

Nach dutzenden Stops in Bars und Kirchen kamen wir dann mittags an einem unserer letzten Aufstiege für diesen Tag an. Und der hatte es wirklich in sich!

Immer Berg hoch

Mittlerweile zu acht machten wir uns an den Aufstieg (mittlerweile waren noch zwei Griechen zu unserer Gruppe dazugestoßen). Es waren nur noch 5km bis zu unserem Tagesziel, doch die hatten es in sich. Steile Waldwege, die mit großen Steinen übersäht waren.

Immer den Pilgermassen hinterher




Mittagspause

Wir hatten schon wahnsinnige Schwierigkeiten dort hinauf zu kommen, doch als wir uns umblickten und einen Radfahrer sahen, der sein Bike hier hinaufschob hatten wir echt Mitleid, gingen den Weg ein Stück hinunter und halfen ihm zu schieben. Irgendwann wurde es flacher und der Radfahrer stieg wieder auf und wir schoben ihn ein bisschen an.
Eine Gute Tat am Tag muss ja sein! ;-)

 Der Weg nach La Faba hoch 

Als wir mit brennenden Muskeln und fix und fertig an der Herberge ankamen, wurden wir von einer etwas gestresst wirkenden Frau empfangen, die uns gleich fragte, wie viele wir sind. (natürlich auf Englisch)

Ich antwortete dann erstmal auf Deutsch, da wir wussten, dass die Betreiber der Herberge deutsche sind. Die Herbergsmutter war danach sehr froh mit uns deutsch reden zu können.


     Hof der Herberge in La Faba 


Sie sagte uns, dass die Herberge voll sei, sie aber noch Platz im Keller auf Pritschen und in der kleinen Kirche hätten. Sie wolle unsere Gruppe aufteilen. Da schlugen wir ihr vor, dass sie die beiden Frauen, die gerade ankamen, in den Keller legen solle und wir alle freiwillig zusammen auf dem Boden der Kirche schlafen würden.

Nach ein bisschen hin und her erlaubte sie es und zeigte uns, wohin die Matratzen gelegt werden sollten und welche Regeln einzuhalten sind. Es war für uns sehr anstrengend alles für unsere neuen Freunde simultan ins Englische zu übersetzen, da die Herbergsmutter ohne Punkt und Komma redete.

Nachdem wir alles geklärt hatten, teilten wir uns auf. Eine Gruppe machte für alle die Wäsche in der Waschmaschine, eine andere Gruppe duschte und die dritte Gruppe ging einkaufen, damit wir zusammen kochen können.

Daniele wollte  für uns alle Spaghetti Carbonara kochen, die wirklich super schmeckte! *-*

In der Herberge kommt man wirklich mit vielen Menschen ins Gespräch... so auch heute.
Wir trafen zwei wirklich verrückte Deutsche, denen wir auf unserer weiteren Reise immer wieder begegnen sollten. Timo aus Düsseldorf und Susi aus Würzburg sind wirklich zwei Unikate!

Nach viel Lachen und quatschen gingen wir dann mit unserer Gruppe in die Kirche, um endlich schlafen zu gehen. Hört sich zugegeben etwas komisch an, aber war ja wirklich so! =D

Mal schauen, wie unsere Nacht im Altarraum so wird!


Unsere Schlafstätte im Altarraum



Tag 8


La Faba - Triacastela




Was für eine Nacht! Es ist wirklich etwas komisch in einer Kirche zu schlafen, besonders, wenn man morgens unter dem Altar aufwacht und sich anschließend in der Kirche umzieht! =D



Aber ein Erlebnis war das allemal!



Heute hieß unser Ziel Triacastela. Das heißt, wir überquerten heute die Grenze von der Provinz León in die Provinz Galicia.

Da Alberto Spanier ist und sich doch mit dem typischen Wetter in Galicia auskennt, war heute eigentlich so gut wie klar, dass wir im Regen laufen müssten. Denn:
"Das Wetter in Galicia macht was es will"

Aber erstmal liefen wir (zu acht) aus La Faba los, immer den Berg hoch. Eigentlich war es recht frisch morgens, aber da es wirklich sehr steil teilweise war, wurde uns doch relativ schnell sehr warm! ;-)

Dieser Weg, wird kein leichter sein ;-)


Als wir dann nach einer Stunde oben ankamen (wir dachten es geht nicht mehr höher) machten wir erstmal Pause und genossen die grandiose Aussicht, die wir uns verdient hatten.

Gigantische Aussicht

Misty Mountains 




Von unserer Hoffnung, dass es von nun an flacher wird, wurden wir schnell wieder auf den Boden der Tatsachen gebracht. Es ging stetig Berg auf!

Wie hoch sind die Berge in Spanien eigentlich?


Nach einer weiteren Stunde kamen wir endlich am lang ersehnten Meilenstein von Galicia an. Hier machten wir, wie alle anderen Pilger auch Bilder vor dem Stein, da das der größte unserer bisherigen Tour war.

Lan und ich





Unsere verrückte Gruppe



Ab diesem Zeitpunkt traf Albertos Wettervorhersage zu 100% zu. Den ganzen Morgen pilgerten wir bei gelegentlichem Sonnenschein die Berge hinauf. Doch kaum hatten  wir die Grenze zu Galizien überschritten, spielte das Wetter verrückt. Es begann aus Kübeln zu schütten, sodass wir alle unsere Regenjacken oder Regenponchos auspacken und anziehen mussten.

In voller Montur marschierten wir durch kleine Dörfchen, die ganze Zeit durch starken Wind, der uns den strömenden Regen ins Gesicht wehte. Als wir dann auf 1.270m Höhe ankamen, wussten wir:

"Höher geht es jetzt nicht mehr hinaus!"


Alberto lehnt sich gegen den Wind


Von da ab ging es stetig bergab. Da es zu einfach gewesen wäre, einfach nur zu laufen, kreuzte uns auch noch eine Herde Kühe mit ihrem "Hirten" und wir liefen inmitten der Herde weiter...

Endlich mal Berg ab


In der Kuhherde
Völlig durchnässt gingen wir dann in eine kleine Bar, die von Pilgern überfüllt war. Es muss ein ehemaliger Kuhstall gewesen sein, denn genauso roch es da drinnen. Es war laut, muffig und eine hohe Luftfeuchtigkeit, aber die Cola und ein Boccadillo waren super!^^

Nach einer halben Stunde Pause und der Hoffnung auf besseres Wetter brachen wir wieder auf. Die Hoffnung starb jedoch so gleich.. gleich vorweg. Es hörte den ganzen Tag nicht mehr auf zu regnen! Trotz dem Regen ließen wir uns die Laune nicht verderben und hatten trotzdem Spaß beim Wandern.

5 Kilometer vor unserem Etappenziel war nochmals eine Herberge und wir überlegten, ob wir vielleicht dort einkehren sollen. Wir entschieden uns, dass wir die restlichen Kilometer auch noch schaffen. Doch nicht für alle war das so. Unsere beiden Griechen mussten für heute die Tour beenden, da sie wahnsinnige Schmerzen in den Beinen hatte. Da waren es nur noch sechs! Wir liefen, so weit uns die Beine trugen und schafften es noch weitere vier Kilometer weiter. Doch den letzten Kilometer konnten wir einfach nicht mehr laufen. Das ständige (steile) Berg auf und Berg  ab auf steinigem Untergrund ging einfach zu sehr auf die Knie. Also riefen wir ein Taxi, dass uns den letzten Kilometer nach Triacastela brachte.

Hier angekommen mussten wir feststellen, dass einfach jede Herberge voll war...
Wir liefen von einer zur anderen und überall wurde uns das Selbe gesagt: "Voll"

Da wir wirklich nicht mehr konnten, gingen wir in eine Bar und fragten nach, ob es denn noch eine Herberge hier gibt, da wir schon fast durch die ganze Stadt gelaufen waren. Er rief für uns bei einer Herberge an, doch leider ging keiner an das Telefon. Also beschrieb er uns den Weg dort hin und bot uns an, falls wir dort keinen Platz bekommen würden, dann brächte er uns in das nächste Dorf mit seinem Auto, damit wir dort übernachten konnten. Sehr netter Mensch!

Zum Glück bekamen wir noch genau zwei Zimmer mit sechs Betten und eigener Dusche!
Da wir alle nass waren, fragten wir bei unserer "Vermieterin" nach, ob wir denn waschen könnten. Daraufhin sagte sie: "Normal kostet das Geld, aber packt eure Sachen alle zusammen in eine Tüte und ich wasche sie für euch umsonst"

Das war wirklich das Schönste, was sie uns sagen konnte an dem Tag.

Gesagt, getan. Nachdem wir alle geduscht hatten, suchten wir nach einem kleinen Restaurant und schaufelten dort ein Pilgermenü (heute mit Wein) in uns hinein. Danach hieß es in die Herberge und todmüde ins Bett fallen. Hoffentlich wird morgen das Wetter wieder besser...





Tag 9


Triacastela - Sarria




Ich glaube die letzte Nacht war die Erholsamste, die wir bisher hatten!

Es ist einfach was anderes, wenn man abends im kleinen Kreis mit Leuten einschläft, die man kennt (haha seit ein paar Tagen) und morgens dann zusammen aufsteht, zusammen packt und sich wieder auf den Weg macht.

Heute mussten wir uns für einen Weg entscheiden, denn es gab zwei Varianten, die wir wählen konnten.

Wir wählten natürlich die Route, die fünf Kilometer länger war. Also wanderten wir wieder mal über Stock und Stein, Berg auf, Berg ab durch Spanien. Aber es schien wieder die Sonne!

Da wir nicht wussten, wie lange wir heute für unsere Tour brauchen würden und nach dem Tag gestern, beschlossen wir, dass wir ab jetzt immer vorher an unserem Zielort  bei einer Herberge anrufen um uns Plätze zu reservieren. Das übernahm zum Glück Alberto für uns! =)

Auf dem Weg nach Samos

Einfach dem Weg folgen

Außerdem führte unsere Tour heute nach Samos, wo wir uns das wunderschöne Kloster anschauten.

Kloster von Samos

Da Alberto zufällig den Mönch kannte, der unsere Führung machte, ging die Führung,
die normal 30 Minuten geht, zwei Stunden.

Panorama vom Innenhof des Klosters




Brunnen im Klosterhof


Die Klosterbibliothek
Anschließend hatten wir eigentlich keine Lust mehr weiter zu gehen, aber wir mussten ja Sarria erreichen, da wir auch schon ein eigenes Zimmer reserviert hatten.

Über viele Brücken musst du gehen




Da hat einer noch zu viel Puste ;-)
Als wir dann endlich in Sarria ankamen, staunten wir nicht schlecht über diese Herberge.
Für ein eigenes Zimmer (6 Personen), Gemeinschaftsdusche und Gemeinschaftsküche zahlten wir pro Person 10€. Doch das war es wirklich Wert!
Es war der pure Luxus im Vergleich zu unseren anderen Unterkünften!

Also gingen wir wieder mal einkaufen, kochten etwas zusammen und genossen im Garten noch ein Bierchen, wobei wir uns mit einem Australier unterhielten, der nach Spanien auswandern will.



Das wohlverdiente Bierchen im Garten

Als es uns dann zu kalt wurde, gingen wir in unser Zimmer und schnarchten wieder um die Wette! ;-)




Tag 10


Sarria - Portomarín




Nach dieser "Luxusherberge" ging unser Weg mal wieder durch die komplette Stadt. Ab heute jedoch nur noch zu fünft, da uns Mario verlassen, da er wieder nach Deutschland zurück musste.

Da waren es nur noch fünf (Flo ist der Fotograf )
Also machten wir uns auf den Weg nach Portomarín. Hier gibt es eigentlich nicht viel zu sagen, außer, dass das Wetter nicht besser sein hätte können!



Wir liefen komplett bis Portomarín bei Sonnenschein durch. Da wir wieder mal unsere Herberge reserviert hatten, hatten wir keinen Stress und konnten das Pilgern genießen.


Alberto und sein Pilgerstab

Als wir Portomarín endlich entdeckten, waren wir doch sehr beeindruckt, da die Stadt auf einem Berg liegt, umgeben von Wasser. Um in die Stadt zu gelangen, mussten wir zuerst über die nicht enden wollende Brücke rüber, um dann mit unseren letzten Energiereserven die Treppen hoch in die Stadt zu gelangen.




Portomarín und die Brücke über den Fluss

Da wir absolut keine Ahnung hatten, wo unsere Herberge war, fragten wir einfach nach.

Also liefen wir weiter Berg auf, bis zu unserer Herberge. (Portomarín hat glaube ich keine
einzige flache Stelle) 

Kurz eingerichtet folgte unser tägliches Ritual. Duschen, einkaufen und essen. Es war mal wieder ein sehr lustiger Abend. ;-)





Tag 11


Portomarín - Palas del Rei




Am Morgen ging es dann gleich mal daran, einen Treppenmarathon zu bewältigen. Ich weiß wirklich nicht, wie viele Treppen wir morgens durch Portomarín laufen mussten, um endlich oben am Berg anzukommen und dort die Stadt über eine kleine Straße zu verlassen.



Auf die Straße folgte ein Feldweg, der mal wieder sehr steil wurde. Doch wie alle anderen Pilger auch kämpften wir uns alle den Weg durch den Wald nach oben. Als wir den Wald verlassen hatten, zogen wir zuerst unsere Jacken aus, denn das "Bergsteigen" hatte uns ganz schön eingeheizt.


Pilgern durch den Hochnebel

Die Sonne, die so langsam aufging, konnten wir aber leider noch lange nicht sehen, denn wir liefen in starkem Hochnebel bis zu einer Bar, die mitten in den Feldern stand.


Der Nebel löst sich langsam auf

Hier machten wir Frühstückspause und bestellten uns (traditionell) café con leche und ein magdalena. Gut gestärkt ging unser Weg weiter durch kleine Dörfchen, wobei wir schnell merkten, dass die Bar nicht irgendwo im nirgendwo stand, sondern diese der Beginn des Dorfes war. Heute ging es wieder mal Berg auf und Berg ab. Die Wege wechselten zwischen Waldwegen, über Schotterwege bis hin zu normalen Straßen.


Pilgerweg direkt neben der Straße

Da wir heute morgen wieder einmal unsere Unterkunft reserviert hatten, hatten wir keinen Stress und mussten uns nicht der von manchen Pilgern betriebenen Jagd nach Betten beteiligen.

Leider war die Reservierung heute morgen die bisher schwerste, da alle Herbergen, bei denen wir angerufen hatten, entweder bereits ausgebucht waren oder erst gar nicht reservieren. Doch bei der letzten Herberge auf unserer Liste konnten wir dann doch Plätze ergattern.


Endlich Schatten im Wald

Wie auf der Liste, war auch die Herberge so ziemlich die letzte in ganz Palas del Rei. Wir befanden uns schon wieder auf dem Weg aus der Stadt, als wir die Pilgerherberge entdeckten. Kurz eingecheckt (in der dazugehörigen Bar) mussten wir um in unser Zimmer zu gelangen nach ganz oben laufen.Kaum hatten wir den Raum betreten, schallten uns unsere Namen schon entgegen. Drinnen saß auf einem Bett Susi aus Würzburg.

Unser Zimmer war wirklich eine bunte Mischung. Mit uns im Zimmer schliefen 15 andere Pilger. Aus Deutschland, Italien, Spanien, Frankreich... alle Länder waren im Zimmer vertreten. Nachdem wir uns frisch gemacht hatten, gingen wir mit Alberto, Daniele und Patricia in die nebenan liegende Pulperia, um nochmal Pulpo con patata zu essen.
Zum Glück war es nicht so teuer, wie es von außen aussah.


Pulperia in Palas del Rei

Nach dem Essen ging es dann wieder in die Pilgerherberge zurück und ins Bett, da wir morgen sehr früh aufstehen wollen, um dem Massenpilgern ein bisschen zu umgehen.

Mal schauen, ob uns das so gelingt.




Tag 12


Palas del Rei - Arzua




Gestern dachten wir noch, je früher wir mit unserer Tagesetappe starten, desto besser können wir dem Massenpilgern entgehen. Doch falsch gedacht...
Anscheinend hatten die meisten Pilger den gleichen Gedanken. Kaum waren wir draußen auf der Straße, kamen vom Stadtkern her Menschenmassen, die sich uns wie ein rießiger Wurm entgegenschlängelte.

Wir hatten 4 Uhr morgens,.... schlafen die Leute  denn nicht?


Naja,... egal! Jetzt sind wir wach, haben unsere Stirnlampen an und fühlen uns fit für heute.
Also folgten wir dem Zeichen des Camino hinaus aus der Stadt und hinein in einen wirklich sehr dunklen Wald. Zum Glück hatten wir die Stirnlampen an, da wir ohne diese wirklich verloren gewesen wären. Doch kaum hatten wir den Wald betreten, war es mit der Ruhe am frühen Morgen vorbei... 
Anscheinend lief eine spanische Schulklasse die letzten 100km des Jakobsweges und dachten sich auch, so früh loslaufen zu müssen. Also befanden wir uns in eine schnatternden Menge an Schülern, die es nicht annähernd vor hatten, sich angemessen bzw. halbwegs leise zu benehmen. Vor allem, als wir an einem Zelt im Wald vorbeikamen,
in dem ein Pilger übernachtete, sank der Lärmpegel nicht ab.

Um diesem Lärm entgehen zu können machten wir langsam und ließen sie davonziehen.

Danach ging es wieder ruhig weiter, bis wir  den Wald verließen und ein Hotel dort am
Wegesrand stand, dass draußen mit Frühstück lockte.

Da wir noch nichts gefrühstückt hatten, kehrten wir dort ein und bedienten uns am reichhaltigen Frühstücksbuffet und genossen dieses in einem sehr schönen Hotelrestaurant.


Gesättigt ging es dann weiter auf unserer Reise. Da wir wirklich sehr früh losgelaufen waren, war es auch noch eine ganze Weile dunkel. Als die Sonne dann aufging, waren wir schon fast  10 km gelaufen. Es war so schön, früh morgens auf einem Feldweg, wo keine Stadt, kein Dorf in der Nähe ist, die Sonne aufgehen zu sehen.


Sonnenaufgang über den Feldern
Doch bald darauf hatten wir schon wieder Hunger und gingen in eine kleine Bar am Wegesrand, wo wir unser zweites Frühstück machten. Diesmal gab es (wieder mal) ein Boccadillo und dazu eine Coke, da ich heute morgen ein bisschen Probleme mit dem Magen hatte. Juhu.... die erste Coke vor 10 Uhr =D

Die  erste Coke

Es war wirklich sehr schön dort im Garten unser Frühstück zu uns zu nehmen. Doch die nächsten Kilometer riefen und wir machten uns wieder auf den Weg in Richtung Arzua.


Pfeil, der nach Arzua zeigt
Die kühle Luft  des Morgens verkroch sich so langsam und die Sonne wurde immer stärker.
Mittlerweile - nach bereits 11 Tagen - hatten wir uns bereits so an die Hitze gewohnt, dass wir relativ lange  unsere Jacken anbehielten, da uns kalt war. =D
Der menschliche Körper ist wirklich lustig.

Durch viele kleine Dörfer, über viele schöne alte Brücken, durch Eichen- und Eukalyptuswälder  kamen wir dann in Arzua an.


Eine der schönen alten Brücken, die wir überquerten


Flo pilgert voll bepackt durch Spanien


Wiedereinmal hatten wir kein Problem mit der Herbergssuche, da wir wieder in unserer zweiten Frühstückspause per Telefon reserviert hatten.

Diesmal gab es aber keine Küche in der Herberge, sodass wir mal wieder alle zusammen nach dem Duschen eine Bar aufsuchten, in der wir genüsslich ein Pilgermenü aßen, dass wir uns heute mehr als verdient hatten.
Völlig fertig, aber glücklich unserem Ziel Santiago nicht mehr fern zu sein, schliefen wir ein.


Pilgerausrüstung




Tag 13


Arzua - O Pedrouzo





Heute ging es wieder früh los, da unsere heutige Etappe die längste unserer ganzen Tour werden sollte. Heute wagten wir uns nicht nur über die magischen 30 km, sondern auf ganze 35km! 
Die Strecke war leider nicht so angenehm, wie wir uns das bei der Streckenplanung vorgestellt hatten.
Das Höhenprofil, dass wir überall gefunden haben, deutete nicht annähernd die tatsächliche Steigung der  Landschaft an. Es ging steile Stiche hoch und auf der anderen Seite auch wieder genauso steil runter...


Patricia und Lan warten auf das Frühstück



Nach 20 km kamen wir (eigentlich schon fertig) einen Ort vor O Pedrouzo an, wo es sehr idyllisch aussah. Es tummelten sich so viele Pilger am Fluss, badeten darin, tranken ein Bier. Wenn nicht so viel los gewesen wäre, hätten auch wir dort Einkehr gemacht.
Doch dann hätten wir erstens "nur" 20 km heute gemacht, zweitens wäre es sehr knapp geworden mit dem Zeitplan der Anderen und drittens hätten wir unser Tagesziel einfach nicht erreicht, welches wir uns gesetzt hatten.


Also liefen wir vorbei an dem lustigen Treiben, winkten Susi, die wir am Fluss sitzen sahen zu und quälten uns in der prallen Mittagssonne den letzten Berg hoch, der sich wirklich als "Killer" erwies. 

Als wir oben ankamen waren wir so fertig und hatten solche Schmerzen, dass wir glaubten, heute nicht mehr in arzua ankommen zu können. Zum Glück gab es mal wieder eine Bar,

in der wir uns erst einmal etwas zu trinken holten. Es war  alles eisgekühlt, was uns einfach nur gut tat, da es heute richtig  heiß war. Nach einer halben Stunde Pause, die wir mit trinken und Füße massieren verbrachten, machten wir uns daran, diesen Höllenberg wieder auf der anderen Seite abzusteigen.

Natürlich ging es danach wieder leicht Berg auf und wir liefen in der prallen Mittagssonne,
entlang der Bundesstraße, in O Pedrouzo ein.

Dort fanden wir auch (durch Fragen) recht schnell unsere Herberge. Schnell duschen und dann, glücklich, diese Horroretappe geschafft zu haben, gingen wir in die Bar nebenan.

Wo wir uns heute einen leckeren Burger und die besten (selbstgemachten) Pommes aßen, die wir je gegessen hatten. Dazu gab es zur Feier des Tages auch noch ein eiskaltes Estrella Galicia! ;-)
Mit vollem Magen und ein oder zwei Bierchen schliefen wir dann umso besser diese Nacht...


Alberto und Daniele mit Burger, Pommes und Bier

Unsere Herberge in O Pedrouzo



Tag 14


O Pedrouzo - Santiago de Compostella





Unsere letzte Etappe. Da das Ziel nun endlich zum greifen nahe war, hielt es uns heute nicht so lange in den Betten. Wieder einmal ging es früh auf die Piste und wir pilgerten los in Richtung Santiago de Compostela.


Der schönste Meilenstein unserer Reise

Auch heute pilgerten wir durch fast ausschließlich ländliche Gegenden. Wieder geht es durch die duftenden Eukalyptuswälder, deren Geruch durch die immer wärmer werdende Sonne immer intesiver wurden.


Immer der Straße entlang in Richtung Santiago


Dann ging es nochmals das letzte mal Berg auf zum Monto do Gozo, von dem aus man den ersten Blick auf unser Ziel Santiago werfen kann. Wie wir es erwartet hatten, waren wir nicht die einzigen Pilger, die dort oben verweilten, die Sonne und die Aussicht genossen. Da nun auch der erste Hunger und somit der letzte unserer Pilgerreise einsetzte, kaufen wir uns ein Boccadillo, dass wir unter der spanischen Sonne verschlangen. Nochmals Gruppenfotos vor der Statue gemacht und den Abstieg nach Santiago angegangen.






Am Fuße des Berges angekommen, den Blick nach vorne gerichtet, ging es langsam in die Stadt hinein. Als wir das Ortsschild passierten, fiel schon einmal der erste Stein von den Schultern ab.


Daniele und Patricia am Ortsschild

Jetzt hieß es "nur noch" immer der Straße entlang. Doch so einfach war die Sache nicht, denn diese Straße ist glaube ich die längste, auf der ich je gelaufen bin. Sie hatte einfach kein Ende! Und die Sonne hatte auch kein Mitleid mit uns. Mit jedem Schritt wurde sie stärker. Plötzlich bogen wir um die Ecke und standen direkt vor der Kathedrale.

Wir hatten unser Ziel erreicht...

Doch irgendwie fühlte es sich nicht so an, wie wir es uns vorgestellt hatten. Alle Szenarien, die wir uns ausgemalt hatten, dass wir davor stehen und in die Arme fallen usw.  wurden von der nüchternen Realität abgelöst.

Wir waren glücklich und sehr erschöpft, endlich am Ziel angekommen zu sein. 

Da wir leider 10 Minuten zu spät für die heilige Messe ankamen, gingen wir zuerst ins Pilgerbüro, wo wir unsere Compostelana überreicht bekamen. Ich glaube, wir waren noch nie so glücklich und stolz ein Stück Papier in Händen gehalten zu haben.


Glücklich mit der Compostelana in der Hand

300 Kilometer auf den eigenen Füßen zurückgelegt zu haben ist im Nachhinein eine wahnsinns Leistung!

Glücklich verabschiedeten wir uns von Alberto, der wieder direkt zurück nach Madrid fahren musste und machten uns auf die Suche nach unserer Herberge, die wir während des morgens noch gebucht hatten. Dort angekommen, duschten wir und brachen nochmals in die Stadt auf, um zu kochen und uns ein bisschen umzusehen.

Nachdem wir gekocht hatten, saßen wir noch ein bisschen zusammen und alberten rum (wie immer), bevor wir glücklich ins Bett fielen...





Tag 15


Santiago de Compostella





Heute standen wir einfach mal nicht vor Sonnenaufgang auf, sondern ließen uns von der Sonne wachküssen. Gemütlich gingen wir frühstücken in einer kleinen Bar und begaben uns in die heilige Messe. Obwohl wir kein Wort verstanden haben, war es sehr schön, im Ziel unserer Pilgerreise, eine Messe mit zu erleben.

Orgel in der Kathedrale von Santiago

Dass Weihrauchfass, dass geschwenkt wurde
Anschließend packten wir unsere Sachen in der Herberge zusammen, da wir mit Daniele und Patricia zusammen per Bus weiter nach Fisterre fahren wollten, um zusammen nochmal einen schönen Abschluss unserer Reise zu haben.



Tag 16


Finisterre (Fisterre)




Nachdem wir in Fisterre zusammen angekommen waren, wurden wir direkt am Busbahnhof von einer Dame angesprochen, ob wir denn eine Übernachtung bräuchten.

Wunderschöner Sandstrand in Finsterre

Wir bejahten und folgten ihr zum besten Fisch-/Meeresfrüchterestaurant der Stadt, wo wir je ein Doppelzimmer für nur 25€ bekamen. Da wir noch nicht genug vom laufen hatten (nach 300 km =D ) mussten wir noch  den Berg hinauf, entlang der Straße, zum Ende der Welt - dem Cruz de Farro - hinauflaufen.


Der letzte Meilenstein

Dort oben wurden wir für unsere Strapazen mit einem unglaublichen Sonnenuntergang belohnt! Das war wirklich der perfekte Abschluss für unsere Reise.


Leuchtturm am Ende der Welt

Letztes Gruppenbild am Faro





Anschließend gingen wir noch zusammen essen und machten uns einen sehr lustigen Abend.

Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns von Daniele und Patricia, da sie schon wieder

zurück nach Rom fliegen mussten.... Nach zwei Wochen, in denen wir 24 Stunden am Tag zusammen waren, fiel uns das wirklich schwer...
Doch Lan und ich belohnten uns nach all den Strapazen mit weitern 4 Tagen in Fisterre,

wo wir immer wieder zum Cruz hochliefen, uns den Sonnenuntergang ansahen oder wir einfach nur am Strand lagen, bevor es dann nochmal für ein paar Tage nach Madrid für uns ging.

Das Ende der Welt und gleichzeitig unserer Pilgerreise



Man muss sagen, dass solch eine Pilgerreise geprägt sind von vielen Dingen.

Erfolgserlebnisse, Schmerzen, Zusammenhalt und Freundlichkeit der Menschen.
Das sind Erinnerungen, die uns keiner nehmen kann. Wir sind mit viel mehr nach Hause gekommen, als vor der Reise. Erfahrungen und vor allem Freunde, mit denen wir nicht gerechnet hatten.




Thank you to our Friends Alberto, Daniele und Patricia!

We´ll never forget this trip and you!
"Buen Camino!"









"Man reist ja nicht um anzukommen, sondern um zu reisen." 
- Johann Wolfgang von Goethe -








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